Ärzte wollen Rauchen als Krankheit einstufen

Das Rauchen soll nach Plänen der Bundesärztekammer künftig als Krankheit erachtet werden. Ein mögliches Werbeverbot für Tabak und Alkohol stößt unterdessen auf Kritik in der Alkohol- und Tabakindustrie.

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Süchtige Raucher sollten aus Sicht der Bundesärztekammer künftig auch offiziell als Kranke eingestuft werden. Es gehe nicht um ein „Lifestyle-Problem“, das durch reine Willensanstrengungen oder Gruppengespräche zu beheben wäre, erklärte die Kammer zu einer Anhörung am Montag in Berlin. Dort liefen vor allem die Tabak- und die Werbeindustrie Sturm gegen mögliche Werbeverbote.

Solche Verbote hatte der Drogen- und Suchtrat bei den Vorbereitungen für Nationale Aktionsprogramme zur Tabak- und Alkoholwerbung ins Gespräch gebracht. Vorgeschlagen wird zudem, Alkohol und Zigaretten teurer zu machen und ihren Verkauf weiter einzuschränken. Die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing hatte zu den Vorschlägen Experten zu einer Anhörung eingeladen.

Dabei begrüßte die Bundesärztekammer beide Präventionsprogramme grundsätzlich. Die vorgeschlagenen Maßnahmen gegen das Rauchen reichen den Ärzten aber nicht. Tatsächlich handele es sich bei „der Mehrzahl der Raucher um Abhängigkeitserkrankte“. Das Vertrauen auf Nichtraucherkurse sei trügerisch. Auf dem Land seien sie kaum verfügbar, insgesamt seien sie wenig akzeptiert. Auch sprächen die Kurse vor allem „mittlere und höhere soziale Schichten“ an, wo ohnehin weniger Menschen rauchten.

Die Ärzte plädieren stattdessen dafür, Tabakabhängigkeit gezielt als Krankheit zu behandeln. Für Mediziner gebe es inzwischen eine 20-stündige Zusatzqualifikation „Ärztliche Tabakentwöhnung“. Für die Behandlung sollten „die entsprechenden vergütungsrechtlichen Rahmenbedingungen“ geschaffen werden.

Auch die Bundesärztekammer forderte, Tabakabhängigkeit als Krankheit einzustufen. „Aus medizinischer Sicht ist Tabakabhängigkeit eine Suchtkrankheit wie etwa Alkoholismus auch“, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der „Kölnischen Rundschau“ (Dienstagausgabe). Eine Einstufung des Rauchens als Krankheit sei auch sinnvoll, weil endlich gesellschaftlich klargestellt würde, dass Rauchen kein Modetrend sei.

„Attacke gegen die soziale Marktwirtschaft“

Mit den Aktionsprogrammen will Bätzing das Rauchen und Trinken weiter zurückdrängen. Derzeit raucht nach ihren Angaben rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland, 9,5 Millionen Menschen trinken Alkohol in „riskanter Weise“. 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig.

Brauer, Zigarettenindustrie und Werbewirtschaft stemmen sich aber gegen weitere gesetzliche Auflagen. „Ein Staat der alles verbietet, misstraut seinen Bürgern“, erklärte die Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbandes, Marianne Tritz. „Wenn Frau Bätzing die Plakatwerbung komplett verbieten will, dann verbietet sie die Kommunikation für ein legales Produkt.“ Die Zigarettenindustrie sei sich bereits ihrer „besonderen Verantwortung“ bewusst.

Quelle: 
Focus online,
16.09.2008

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